Oceanic Catalogue




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»Wir müssen uns vor niemanden verstecken!«

Interview mit dem amerikanischen Oceanic-Firmengründer Bob Hollis anlässlich der Einweihung der Oceanic-Europazentrale in Augsburg.


Klaus Gasser (l.) und Bob Hollis (r.)
in Augsburg
Frage: Herr Hollis, warum haben Sie in Augsburg zusammen mit ihrem neuen Partner Klaus Gasser aus »Oceanic Deutschland« nun »Oceanic Europe« gemacht? 
 
Bob Hollis: Oceanic hat auf allen Kontinenten eine Niederlassung. Nur in Europa waren wir etwas zersplittert. Neben Deutschland gab es noch England und Italien. Und um die anderen Staaten hat sich dann keiner mehr so richtig gekümmert oder kümmern können. Europa ist aber ein viel zu großer und auch viel zu wichtiger Markt für uns, um diesen auf Dauer zu vernachlässigen. Zudem gibt es wie innerhalb der USA auch in der EU keine Zollgrenzen mehr, so dass wir die Ware nur noch einmalig und en gros durch den Zoll führen müssen. Danach kann sie dann sehr einfach von der neu geschaffenen Europazentrale verteilt werden. Unser Distributor in England darf als europäische Ausnahme allerdings bleiben.
 
Frage: Wie kommen Sie dazu, ein solch vielseitiges Tauchsportunternehmen aufzubauen? Ihre Wurzeln liegen ja eigentlich wo anders. 
 
Hollis: Das ist eine lange Geschichte. Es hat mit Ausdauer, den richtigen Riecher und natürlich auch mit Glück zu tun. Und Sie haben recht – eigentlich war ich Ingenieur in der Ölindustrie. 
Frage: Und wie ging es dann los?
 
Hollis: Ich habe mit dem Tauchen begonnen und kurze Zeit später gewusst – das ist es, was ich gerne machen möchte. Also habe ich ein kleines Tauchgeschäft eröffnet und war viel im Wasser: Tauchen, Schnorcheln und Speerfischen. Dann entdeckte ich meine Leidenschaft für die Unterwasserfotografie. Und so fing ich an, Amphibienblitze und später auch Kameragehäuse zu bauen. 
 
Frage: Sie waren damals eine reiner Unterwasserfoto-Firma?
 
Hollis: Ja, komplett. Oceanic wurde 1972 gegründet. Wir hatten eine gut gehende Blitzserie, entwickelten die passenden Arme und das Hydro 35-Fotogehäuse. Dazu noch ein paar Tauchlampen – das war alles. 1976 baute ich dann auch den ersten Scooter. 1979 kamen Flossen aus Gummi und Masken aus Gummi aber auch schon Silikon hinzu. Die Flossen hatten übrigens schon damals verkleidete Edelstahlfedern als Fersenbänder. Spring Straps sind also keine neue Errungenschaft aus jüngster Zeit. Da ich ja mit der Elektronik und den Transistoren aus dem Blitzbau zu tun hatte, wagte ich mich '79 auch an den ersten elektrischen Tauchcomputer. 
 
Frage: Gab es den schon zu kaufen?
 
Hollis: Nein, der war noch sehr experimentell und nur für uns gedacht.  
 
Frage: Was war dann der erste Tauchcomputer der Firma Oceanic?
 
Hollis: Das war der Datamax Sport. Er wurde 1983 zum ersten Mal angeboten. Gebaut wurde er übrigens nicht von Oceanic, sondern von dem zwischenzeitlich ebenfalls von mir gegründeten Schwesterunternehmen Pelagic. Hier bauten wir analoge wie digitale Instrumente: Finimeter, Tiefenmesser, Kompasse und dann auch Tauchcomputer. 
 
Frage: Und was war mit dem Kameraequipment – damit bringt man den Firmennamen Oceanic heute ja kaum noch in Verbindung?
 
Hollis: Ja, dafür hatten wir plötzlich gar keine Zeit mehr. Pelagic baute ja nicht nur Produkte für Oceanic, sondern auch für viele andere große und kleine amerikanische Marken. Aber wer weiß, vielleicht bauen wir uns eines Tages wieder einmal ein Gehäuse für eine moderne digitale SLR. Ich bin ja heute noch ein begeisterter Unterwasserfotograf. 
 
Frage: Die Sache mit den Tauchcomputern hat Sie dann aber nicht mehr losgelassen? 
 
Hollis: Ja, das entwickelte sich sehr stark weiter.
 
Frage: Und es kamen weiter Meilensteine?
 
Hollis: Genau. Ich glaube es war 1986 oder '87. Da haben wir einen Auftrag von der NASA bekommen. Die wollten für ihre Astronauten in den tiefen Übungsbecken verschiedene Tauchcomputer zur Überwachung der Dekompression einsetzen. Der nötige Finimeterschlauch fürt den Flaschendruck hat aber die NASA-Leute massiv gestört, da der Astronaut im Weltall ja auch keinen Finimeter bei sich hat. Alles soll da möglichst authentisch sein. Also mussten wir einen luftintegrierten funkgesteuerten Tauchcomputer entwickeln. Und das haben wir dann auch mit dem Datatrans gemacht. Da wurden dann auch bereits 1989 Nitroxtabellen in die Rechner integriert.
 
Frage: Was wird denn als nächstes kommen?
 
Hollis: Dass der Tauchlehrer die Flaschendrücke der Tauchschüler über seinen Rechner überprüfen kann ist ja nichts Neues mehr. Wir arbeiten aber gerade an einem neuen Algorythmus. Zusammen mit Dr. John Louis und Dr. Steven Crow entwickeln wir ein neues »Gas Formation Model«, das die sicher sehr guten, aber auch schon 107 Jahre alten Schlüsse, die der alte Haldane für die Dekompressionsberechnungen gezogen hat, vielleicht etwas modernisieren könnte. Daraus lassen sich noch andere Dinge ableiten – ein Trimix- oder Helioxrechner zum Beispiel.
 
Frage: Wann ist da mit Resultaten zu rechnen?
 
Hollis: Ich denke, dass wir bereits in den nächsten sechs Monaten die ersten Ergebnisse veröffentlichen können. Dann kommt jetzt natürlich unsere Datamask auf den Markt. Wie sie sicher wissen, wurde dafür ein vollwertiger luftintegrierter und funkgesteuerter Tauchcomputer in eine Tauchmaske integriert. So hat der Taucher mit nur einem Wimpernschlag alles im Blick.
 
Frage: Was wird es sonst noch an Neuigkeiten geben?
 
Hollis: Wir lancieren jetzt zur DEMA-Show mit der neuen Hollis-Linie eine komplett eigenständige Marke. Hier kommt eine Lampenlinie, verschiedene Scooter und Atemregler, Wingjackets und auch ein vollgeschlossener Rebreather als Militärableger auf den Markt. 
 
Frage: Das hört sich aber sehr nach technischem Tauchen an?
 
Hollis: Naja, betrachten wir es mal so. Wer sich unter Wasser nicht mit »irgendwas« beschäftigt hört doch meistens wieder auf. Biologen, Fotografen, Höhlentaucher, ja selbst Speerfischer und Apnoisten bleiben bei der Sache, indem Sie ihr Hobby erweitern. Und wir geben den technisch orientierten Sporttauchern die Möglichkeit, sich neu zu orientieren. Mit unserem Equipment können sie sicher auf Entdeckungstour gehen, sei es in der Tiefe, in Wracks oder in Höhlen. Sie geben damit ihrem Hobby einfach einen »tieferen« Sinn. Taucher die nichts zu tun haben, hören auf.
 
Frage: Der Markt für Techtauchequipment ist aber doch ziemlich klein, die Nische in der Nische?
 
Hollis: Ja, das war das Thema »Nitrox« am Anfang auch. Und schauen sie sich das heute an. Wir rechnen damit, dass der Verkaufsanteil im Bereich »Technisches Tauchen« von gegenwärtig rund acht Prozent in den nächsten drei Jahren auf 15 bis 20 Prozent anwachsen wird. In der Tauchbranche Bestand zu haben, ist ein hartes Business. Wenn der Zug aber so anfährt, wie wir uns das vorstellen, werden viele versuchen noch aufzuspringen, während nur wenige Passagiere – darunter auch wir – schon längst komfortabel Platz genommen haben. 
 
Frage: Ein Rebreather wird doch aber sicher kein Artikel für den Massenmarkt sein können.
Hollis: Das ist sicherlich richtig. Unser neuer Prism II-Rebreather entsteht aber aus einem Militärauftrag. Das heißt, die abgespeckte Version werden wir ohne großen Aufwand oder zusätzliche Kosten anbieten können. 
 
Frage: Was heißt den »abgespeckte Version« für Sie?
 
Hollis: Naja, ein Techtaucher braucht ja keinen antimagnetischen Rebreather. Zudem gibt es ja auch bei einem vollgeschlossenem System aus rein physikalischen Gründen Atemgasblasen aus den Gegenlungen, die entweichen müssen. Die Militärs wollen hier aber am liebsten einen kleinen Kompressor anschließen, der das überschüssige Atemgas in eine kleine Flasche drückt, damit ja nichts den Taucher verraten könnte. Dinge also, die man auch bei anspruchsvollen Explorationen nicht wirklich braucht. 
 
Frage: Lassen Sie dann, wie die meisten anderen amerikanischen Marken, auch in Mexiko produzieren?
 
Hollis: Mexiko ist ein herrliches Land. Man kann dort gut seine Zeit verbringen und ein Bierchen trinken. Aber Tauchcomputer oder ähnliches wollen wir dort nicht produzieren lassen. Asien ist für Hightech meiner Meinung nach die bessere Adresse. 
 
Frage: Sie sprachen vorhin vom möglichen Wachstum der Hollis-Linie. Wie sieht es denn mit Oceanic aus? 
 
Hollis: Wir sehen auch für Oceanic noch ein großes Potential im europäischen Markt. Noch sind wir nicht so aufgestellt, wie wir es sein könnten. Aber durch die neue europäische Verkaufsstruktur haben wir es jetzt in der Hand. Die Umsätze stimmen und das Händlernetz ist vollständig und intakt. Jetzt soll die neue Strategie auch für die Nachbarländer Deutschlands zum Tragen kommen. Und unsere Produkte müssen sich vor keiner anderen Marke verstecken. 
 
Frage: Was passiert mit ihrem Familienbetrieb, wenn Sie sich einmal von allem zurückziehen. 
 
Hollis: Ich sehe da kein Problem. Die Unternehmen sind heute bereits in guten Händen. Meine drei Söhne bekleiden schon Positionen in den Firmen und meine Tochter kümmert sich mit einer eigenen Reiseagentur um unser Tauchresort auf Papua Neuguinea.
 
Frage: Die ganze Familie Hollis hat also mit der Tauchsportbranche zu tun?
 
Hollis: Ja, wir decken so ziemlich alles ab, was es in dem Bereich zu machen gibt.
 
 
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