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The Bob Hollis Story

Ein Pionier der amerikanischen Tauchsport-Industrie

In den frühen Jahren von Bob Hollis’ taucherischer Karriere galt Rock’n Roll als rebellisch. Petticoats hüpften auf und ab, und Tauchen war ein Sport für harte Männer. Es waren die 50er Jahre, in denen der heute über 70-Jährige als junger Bursche vom Land zum Tauchen fand – und somit zu einem Sport, der noch in den Kinderschuhen steckte. Von sich reden macht er heute noch immer. Als Pionier des amerikanischen Tauchsports und der Unterwasser-Fotografie, Sättigungstaucher bei zwei riskanten Expeditionen zum Wrack der »Andrea Doria« und erfolgreicher Geschäftsmann in punkto Ausrüstung und Tauchreisen hat er auch heute noch die Fäden seiner Firmen in der Hand.


Porträt eines Tauchpioniers - Bob Hollis am Anfang seiner Karriere

Bob Hollis ist diesseits des Atlantiks nur wenigen bekannt, dafür aber umso mehr der Name seiner Firma Oceanic, deren Produkte sich am Markt fest etabliert haben. Durch seine bis in die 80er Jahre produzierten und richtungsweisenden Unterwassergehäuse und Blitze hat Hollis sich bei Experten zwar schon früh einen Namen gemacht, doch für echte Schlagzeilen sorgten eher seine außergewöhnlichen Expeditionen – solche wie die zur Andrea Doria, die ihn 1973 und 1981 an den Rand seiner Leistungsfähigkeit brachten.Dennoch ist Bob Hollis kein Hasardeur, sondern eigentlich nur jemand, der seine Leidenschaft zum Tauchen und zur Unterwasserfotografie zum Lebensinhalt gemacht hat.

Und dass Tauchen süchtig machen kann, beweist der begnadete Erfinder, der Liebhaber guter Weine und starker Motorräder bis heute, denn er ist in diesem Genre mehr denn je fest verhaftet. Nur wenige Jahre nach dem 2. Weltkrieg, als kaum jemand über das Tauchen sprach, entdeckte der junge Landarbeiter und spätere High School-Absolvent die Unterwasserwelt für sich – natürlich wie viele andere ebenfalls inspiriert durch die Bücher von Hans Hass. Doch erst als er mit seiner Familie zu einem Freund an die Pazifikküste zog, gab es den großen »Kick«. Eigentlich, so Bob Hollis, »wollte ich zunächst einen Unterwasser-Scooter bauen, doch ein Freund machte mir klar, dass es zunächst sinnvoll wäre, das Freitauchen zu üben und dann auf ein Tauchgerät umzusteigen. Auf ein Gerät nebst Zubehör, das ich kurz darauf aus alten Militärbeständen auftreiben konnte. Die Scooter-Idee blieb also erstmal eineIdee, stattdessen harpunierten Hollis und Genossen anfänglich einige Fische im Norden der kalifornischen Küste. Doch 1956 orientierten sie sich in Richtung Süden, in die Cortez-See vor Mexiko.

Die Unterwasserjagd war auf Dauer nicht Hollis’ Welt. Viel lieber als Fische töten wollte er anderen zeigen, was er in der Tiefe gesehen hatte. Handwerklich geschickt bastelte er sich ein Gehäuse für seine Acht Millimeter-Filmkamera – der Anfang einer neuen Karriere: Immer noch unter dem Eindruck von Hans

Hass’ Fotos und Publikationen begann derUS-Boy mit der Konstruktion eines Gehäuses für seinen Fotoapparat und einem entsprechenden Birnenblitz. Natürlich mit etlichen Fehlschlägen. »Es gab keine entsprechende Literatur, alles war Neuland und Learning by doing war angesagt«, erzählt er. Doch sein technisches
Verständnis kam ihm zugute: »Schon mit zwölf hatte ich mein erstes Motorrad zusammengeschraubt, und mit 14 frisierte ich mein erstes Auto. Handwerklich war ich immer geschickt, und wenn es nicht weiter ging, sprang mein Vater, ein hervorragender Ingenieur, mit Rat und Tat ein.«

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Bob  Hollis erkannte bereits sehr früh den Markt für Unterwassergehäuse

Schon 1958 bastelte Bob Hollis an einem Gehäuse für einen der ersten Elektronenblitze, den es zu jener Zeit auf dem Markt gab. Möglichkeiten dazu hatte er bei seinem Arbeitgeber, der Standard Oil, bei der er als Schweißer sein Geld verdiente. Innerhalb der Firma tarnten er und einige Kollegen ihre heimliche Hobbyarbeit als »Regierungsprojekt«. Niemand kam dahinter, wie sich Bob noch heute schmunzelnd erinnert. Auch wenn die ersten Gehversuche mit den Gehäusen noch Probleme bereiteten, fragten immer mehr interessierte Taucher Bob, wo sie derartige Gehäuse kaufen könnten. Mit den Erfahrungen der ersten Kameragehäuse und Unterwasserblitze und zunehmend besserer Technik stieg Bob Hollis’ Reputation innerhalb der amerikanischen Taucherszene. Protagonisten des Unterwasserfilms und -fotografie wie Al Giddings, Jack McKenny, Chris Newbert, Howard und Michele Hall, aber auch Carl Roesler, Marty Sniderman, David Doubilet, Philippe Cousteau und viele andere begannen sich für die innovativen Gehäuse zu interessieren. Aus diesen Bekanntschaften heraus und mit einigen Gleichgesinnten gründete Bob Hollis bereits 1962 die »Underwater Photography Society of Northern California«, die auch heute noch auf dem Gebiet der Unterwasser-Fotografie und des Films äußerst aktiv ist. Anfang der 60er Jahre organisierte Bob Hollis mit dem ersten Tauchreiseveranstalter der USA, Sea & Sea Travel, eine Reise nach Cozumel und Yucatan und stieg auf dem zweiten Trip als erster in eine Cenote hinab, die eine direkte Verbindung zum offenen Meer hatte und die er und sein Team durchtauchten. Eine damals eindrucksvolle Leistung.

Weitsichtig wie er war, eröffnete Bob Hollis 1965 seinen ersten eigenen Tauchshop.

Bob Hollis ist auch heute noch, mit über 70 Jahren, überaus aktiv – als Taucher wie
auch als Geschäftsmann. Die Zukunft des Tauchens sieht er vor allem in einem noch stärkeren Einzug von Elektronik und im Mischgastauchen.
Weniger rosig erscheint ihm die Zukunft der Meere durch die rücksichtslose Ausbeutung der Ressourcen. Hier gibt es seiner Meinung nach noch viel zu tun, und die umweltbewusste Aufklärung von Tauchern ist nur ein Teil davon. Es Wäre schön, wenn Bob Hollis hier eine weitere Erfolgsstory schreiben könnte.

Text in Auszügen: Claus Peter Stoll

       

 

 
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